Schweiz: Nikotinsucht als Krankheit anerkannt

Das Schweizer Bundesgericht hat nun entschieden, dass rauchen unter gewissen Umständen als Krankheit angesehen wird. Und somit die Krankenkassen den Nikotinentzug zahlen müssen.

Die Tabletten Namens Champix von dem amerikanische Pharmakonzern Pfizer gibt es bereits seit 2006 gegen ein Rezept in der Schweiz zu kaufen. Bisher hatten sich die Krankenkassen aber nicht an den Kosten beteiligt. Eine Klage von Pfizer im Jahr 2008 ging zu Gunsten der Krankenkassen aus. Nun aber gab das Bundesgericht dem Pharmakonzern teilweise recht. Da Alkohol- und Drogenabhängigkeit auch anerkannte Krankheiten sind, kann man die Nikotinsucht nicht vollständig davon ausschließen. Anhand eines Fragebogens soll künftig zu erkennen sein, wie hoch der Grad der Abhängigkeit des Betroffenen ist. Dabei handelt es sich um Fragen wie zum Beispiel "Wann rauchen Sie nach dem Aufwachen die erste Zigarette?" Oder "Wie viele Zigaretten rauchen Sie täglich?" Ein weiterer Punkt der eine wichtige Rolle spielt, ist ob sich das Rauchen negativ auf das soziale Verhalten oder das Berufsleben auswirkt. Droht der Chef zum Beispiel mit einer Kündigung, da der Mitarbeiter zu viele Raucherpausen macht und dies sich negativ auf seine Produktivität auswirkt, sollte dem Raucher schnellstmöglich geholfen werden. Wenn der Raucher zusätzlich einen Mindestgrad an Nikotinabhängigkeit aufweisen kann, müssen die Krankenkassen die notwendigen Medikamente zur Raucherentwöhnung bezahlen; eine Krankenzusatzversicherung ist nicht nötig. Allerdings warnt der wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz Thomas Beutler vor diesen Fragebögen. Er meint, dass daraus nicht erkennbar sei, ob eine Behandlung in Frage kommt oder nicht, da rauchen grundsätzlich schädlich ist.

Natürlich gibt es für Raucher viele Hilfsmittel, um mit dem rauchen aufzuhören, wie beispielsweise Nikotinpflaster, Kaugummi oder Kräuterretten. Aber zum einen sind die Raucher nicht in ärztlicher Behandlung während der Entwöhnung und zum anderen müssen sie für die Kosten selbst aufkommen.

Das Medikament Champix enthält den Wirkstoff Vareniclin. Dies setzt sich im Gehirn an der gleichen Stelle wie das Nikotin ab und vermindert so die Entzugserscheinungen. Würde der Raucher trotz des Medikaments rauchen, wäre die Zigarette effektlos. Trotz des Arzneimittels ist der wichtigste Punkt bei der Raucherentwöhnung, dass der Patient den Willen hat, mit dem Rauchen aufzuhören.

Eine Therapie mit den kleinen, weißen Pillen dauert 12 Wochen und würde den Krankenkassen schätzungsweise 450 Franken kosten. Hochgerechnet auf drei Jahre und eine Quote von 27 Prozent Rauchern müssten die Krankenkassen insgesamt 45 Millionen Franken für die Patienten bezahlen. Die Erfolgsquote, dass die Raucher auf Dauer Nikotinfrei leben, liegt allerdings nur bei 21 Prozent.